“Suppose you are presently feeling fairly good. The reason you know you are feeling fairly good is that way far off in the background of your mind, you have got the sensation of something absolutely ghastly that simply must not happen. And so, against that which is not happening, and which does not necessarily have to happen, by comparison you feel pretty good. That absolutely ghastly thing that must not happen is Kali.”
-Alan Watts, She is black.

Gestern habe ich mich mit Thijs von Book of Alchemy unterhalten. Diese kleine Manufaktur hat sich auf recht “morbide” Kunst spezialisiert. Die Meister des Feinschmucks stellen hauptsächlich Stücke in Totenkopf-Optik her. Genau mein Ding! Ich neige ein wenig zum Hinduismus und zum Buddhismus. Und dort sind solche Motive feste Bestandteile der spirituellen Symbolik. Ich finde, dass absolut nichts dabei ist, mit solchen Bildern zu schmücken. Warum? Das will ich jetzt erzählen.

Der Tod ist ein wichtiges Symbol.

Wir leben in einer seltsamen Gesellschaft. Wir neigej dazu, das Negative so weit es geht zu ignorieren. Das ist einfach. Das ist aber nicht so toll. Wir schieben all das wovor wir uns fürchten, all das was wir nicht erfahren möchten, sehr weit von uns weg. So sind zum Beispiel der Tod und das Sterben an sich Tabu-Themen. Andere Lebewesen sterben. Daran lässt sich erstmal kaum was ändern. Seltsamerweise setzen wir uns im Westen sehr wenig mit dem Tod auseinander. Weitaus weniger als andere Kulturen. Wir neigen dazu, den Tod zu ignorieren. Das hat sich über einen langen Zeitraum kulturell entwickelt. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei dahin gestellt. Für mich steht fest, dass es gut ist, sich ab und zu bewusst damit auseinander zu setzen. Und zwar mit dem Tod und verwandten Tabuthemen.

In meiner Welt steht eines fest: Der Tod macht das Leben erst lebenswert. Dieser Satz ist sehr komplex. Und er muss erklärt werden. Die Essenz davon ist aber sehr einfach. Ich sage nicht, dass der Tod erstrebenswert ist. Ich sage auch nicht, dass man ihn verehren muss. Ich sage nur das Folgende. Das Leben kann erst so richtig lebenswert werden, wenn es sich gegen etwas Negatives – wie den Tod – abgrenzen kann. Alan Watts hat zum Ausdruck gebracht, dass man Glück erst vollkommen spüren kann, wenn man das Unglück kennt. Glück ist einfach wenn Unglück fehlt.

Kali ist all das, was das Leben lebenswert macht.

Die Göttin Kali bringt einige göttliche Aspekte mit, die einfach anders sind. Vishnus bezaubernde Gattin Lakshmi ist ein krasses Gegenteil. Hast du mal nachgesehen, wie Kali traditionell dargestellt wird? Ich mache dich jetzt bestimmt neugierig… Und vielleicht spürst du ein kleines, nervöses Kribbeln. Ihr Gesicht ist tiefschwarz. Ihre blutrote Zunge ist rausgestreckt. Man sieht ihre Fangzähne. Kali trägt eine Kette aus 51 oder sogar 108 menschlichen Schädeln. Und sie hält diverse Waffen in ihren vielen Händen… Jetzt darfst du gerne Google anwerfen!

Doch Kali ist keine Göttin, die geschaffen wurde, um uns Angst zu machen. Sie ist kein schwarzer Mann. Sie kein großer Satan. Sie soll uns nicht abschrecken oder uns von etwas trennen. Ganz im Gegenteil. Kali ist eine liebenswerte Muttergöttin. Und sie repräsentiert alle Dinge, die dich schlecht fühlen lassen. Und indem sie diese Dinge mitbringt lässt sie dich gut fühlen. Genau wenn diese Aspekte halt fehlen.

Unbewusste Erinnerungen an tiefe Trauer, schlechte Beziehungen, tiefe Verletzungen, große Schmerzen und so weiter sorgen dafür, dass es dir jetzt gut geht. Sie sind nur noch Erinnerungen. Sie sind Kali.

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