“Sthira-sukham asanam.” Patanjalis Yoga Sutras, 2.46.

Stressabbau ist schwer. Weil man sich dazu bringen muss. Stressabbau ist einfach. Wenn man sich dazu gebracht hat. Zum Stressabbau gehören zwei Dinge: Erkennen und Abbauen. Beides sind Herausforderungen. Beides ist erlernbar.

Wichtig für den Stressabbau 1: Erkennst du deinen Stress?

Fangen wir mit dem ersten Aspekt an. Erkennen ist spannend. Kannst du genau wahrnehmen, wie gestresst du wirklich bist? Wahrscheinlich nicht immer. Mir geht es zumindest so. Stress ist ein hinterhältiger Geselle. Kennst du die Mär vom Frosch im Kochtopf? Wenn ja, kannst du den folgenden Absatz überspringen. Wenn man einen Frosch in einen Topf mit heißem Wasser setzt, dann springt er sofort raus und überlebt. Wenn man einen Frosch jedoch in einen Topf mit angenehm warmen Wasser setzt und dann die Herdplatte anmacht, stirbt der Frosch. Die Temperatur steigt langsam und das arme Tier kriegt das einfach nicht mit.

Die Fabel ist sehr fies, macht aber etwas deutlich… Nicht immer merkst du, wie gestresst du bist. Besonders heimtückisch ist der konstante Stress. Die Herdplatte. Der Stress, der sich quasi langsam aufsummiert. Es dauert schlicht und ergreifend eine Weile, bis die Stresssymptome an die Oberfläche dringen. Nunja… Wahrscheinlich würdest du sie schon vorher bemerken, wären sie am Anfang nicht so subtil. Die großen Anzeichen wie Schlaflosigkeit, Kreislaufprobleme und Ohrgeräusche erscheinen recht spät. Da ist es noch nicht zu spät. Doch da ist dann mehr zu tun.

Wichtig für den Stressabbau 2: Was machst du gegen den Stress?

Wenn der Stress erst einmal erkannt ist, kannst du ihn abbauen. Das ist die zweite große Herausforderung. Hier bist du noch mehr gefragt als beim Erkennen. Du musst tätig werden. Du musst etwas tun. Das kann kein anderer für dich machen.

Lass mich vom Yoga reden. Ob nun körperliche Praxis (Asana), Atemübungen (Pranayama) oder Meditation (Dhyana) gemeint ist, ist egal. Es fängt immer damit an, dass du dich bewusst dafür entscheidest. Du kannst nicht praktizieren, wenn du dich nicht in einem einzigen Moment dazu verpflichtest und den Anfang machst. Mir geht es oft so, dass der erste Sonnengruß der schwerste ist. Nein, das stimmt so nicht… Die Matte auszurollen ist viel schwerer. Aber! Ich bin immer nach dem ersten Sonnengruß in den berühmten Flow gekommen und habe dann entspannend praktiziert.

Eine weitere Anekdote. Mehr Yoga. Ich erinnere mich an eine sehr kräftezehrende Zeit. Ich war in einem IT-Projekt gefangen. Jeden Tag bin ich drei Stunden lang über die Autobahn gefahren. Ich war mitten in meiner Yogalehrerausbildung. Und ich war in einer romantischen Beziehung zu einer Borderlinerin. Trotzdem oder gerade deswegen habe ich jeden Tag meine Atemübungen gemacht. Trotzdem oder gerade deswegen war ich mindestens einmal pro Woche in der Yogaschule. Manchmal auch doppelt so lange wie üblich. Einmal zum Assistieren und dann zum Praktizieren. Meine Wege auf die Matte waren damals richtige Marathonläufe. Und trotzdem hat sich der Weg jedes Mal gelohnt.

Yoga ist nur ein Beispiel. Yoga ist nur eine Möglichkeit zum Stressabbau. Diese Möglichkeit hat mit allen anderen eine wichtige und entscheidende Gemeinsamkeit: Wenn man nichts macht, passiert nichts.

Patanjali sagt…

Der Artikel fängt mit einem Zitat aus Patanjalis Yoga Sutras an. Das habe ich einfach geschrieben und dann einfach nichts dazu gesagt. Und du hast dich nicht beschwert 🙂

“Sthira-sukham asanam” heißt eigentlich nur “Der Sitz ist fest und leicht”. Asana heißt in vielen alten Schriften nur “Sitz”. Damit ist die aufrechte Meditationshaltung gemeint. Heute gehen wir damit weiter und sagen eher “Haltung”. Der Sitz ist nur eine Haltung von vielen. Im eigentlichen Sinne soll man auf dem Weg zum wahren Selbst stabil sitzen und sich dabei nicht quälen. Heute heißt noch viel mehr. Die Yoga-Praxis soll regelmäßig durchgeführt werden und ohne sich zu überfordern.

So ist es auch mit deinem Stressabbau. Du kannst das schaffen. Wichtig ist nur, dass du das stetig machst. Und dass du dich nicht vom Stressabbau stressen lässt. Ich kann dir Mut machen. Das kriegst du hin. Das sieht nur schwer aus, ist aber einfach.

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