Namaste! Heute steht ein spannendes Thema auf dem Programm. Verhütung! Zuerst wollte ich den Artikel “Yogische Verhütung” nennen. Ich habe mich aber dagegen entschieden. Irgendwie wird in der letzten Zeit das Wort “yogisch” inflationär benutzt. Dies ist yogisch… Das ist nicht yogisch… Dazu mag ich heute nicht beitragen. Vielleicht morgen wieder. Deshalb gibt es jetzt die Perspektive eines Mannes, der Yoga macht.

Nicht viele Tiere verhüten. Doch der er Mensch ist dabei Spitzenreiter.

Die allerbeste Verhütungsmethode ist eine Tageszeitung. Gerollt. Und fest zwischen die Oberschenkel der Frau geklemmt.

— unbekannte Quelle.

Warum ist Verhütung spannend? Die Antwort ist einfach. Wir Menschen haben Sex zum Vergnügen und zur Fortpflanzung. Das ist nicht bei allen Lebewesen so. Wir können entscheiden, ob aus einem sinnlichen Moment ein Kind erwachsen soll oder nicht. Und nach der Entscheidung kommt klipp und klar die Methode. Heute weiß es jeder: Es gibt verdammt viele Möglichkeiten zu verhüten. Einige sind sehr weit verbreitet, sind aber recht bedenklich. Andere fristen ein Nischendasein, können aber sehr effektiv sein.

Was ist meine Meinung zur Verhütung? Dazu gleich mehr. Zunächst ein wenig Literaturstudium. Svadhyaha. Schließlich steht auch Yoga in der URL dieser Seite.

Brachmacharya bleibt nicht unerwähnt. Schließlich ist das hier ein Yoga-Blog.

Brachmacharya gehört zu den Yamas. Das sind die zwischenmenschlichen Regeln im Raja beziehungsweise Ashtanga Yoga. Wir erinnern uns an Yama, Niyama, Asana, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi. Die Reihenfolge gibt eine spirituelle Arbeitsrichtung vor. Von außen nach innen und darüber hinaus. Der Begriff Brachmacharya wird meist mit “Enthaltsamkeit” übersetzt. Das ist aber zu wenig. Denn es gibt viele Interpretationen vom “Wandeln im Brahman”…

Von der Zurückhaltung des Samens, über den Erguss in die Harnblase, bis zur tatsächlichen Abstinenz. Hier gibt es Auslegungen wie Sand am Meer. In jedem Ashram wird etwas anderes erzählt und vehement vertreten. Aber auch hier zählt die Achtsamkeit des Individuums. Der Schüler ist sein eigener Lehrer und sollte es selbst am besten wissen. Die Schule, die er sich aussucht, ist nur sein Werkzeug dafür.

Von den vielen Auslegungen von Brahmacharya ist einzig die letzte – Abstinenz – eine sichere Verhütungsmethode. Wer keinen Sex hat, vermehrt sich einfach nicht. Alle anderen Auslegungen sind nur unterhaltsam. Wer sich des Höhepunkts enthält, malt unter der Woche mehr Bilder und findet interessante Dinge über sich selbst heraus. Und die Injakulation ist bestimmt lustig wenn man sie beherrscht, könnte aber das innere Rohrleitungssystem durcheinander würfeln…

Zurück zum Thema. Ein wichtiges Statement. Verhütung geht beide etwas an.

Verhütung im eigentlichen Sinne heißt ja, zu verhüten, dass die Frau schwanger wird. Und wenn sie einfach die Pille nimmt, müsste man eigentlich nicht mehr diskutieren. Meine Meinung ist hier aber sehr solide und gegen diese Ansicht. Sobald zwei Menschen in einer Paarbeziehung sind, sind beide verantwortlich für die Verhütung. Es wäre schade, wenn nicht sogar sträflich, würde nur ein Partner die Verantwortung tragen.

Ich bin Ideallist und wünsche wir jede Liebesbeziehung auf einem Fundament von Aufrichtigkeit, Achtsamkeit und Augenhöhe. Qualitäten die zwar immer mehr im Kommen aber für meinen Geschmack noch zu rar sind. Ich bin auch Optimist und sehe, dass sich hier einiges tut.

Kommen wir zum zweiten Punkt. Anti-Baby-Pille? Lieber nicht.

Kleine Angewohnheit. Jeden Tag eine Tablette. Jeden Tag unfruchtbar. Das ist so einfach wie Zähneputzen. Und viele Frauen machen das so. Ist daran etwas schlimm? Ich denke ja. Die Anti-Baby-Pille ist das ein chemischer Eingriff in den Hormonhaushalt der Frau. Ich mag da ein wenig konservativ wirken. Trotzdem stehe ich dazu und habe davor einen gesunden Respekt.

Die Anti-Baby-Pillen kommen immer brav mit einer Packungsbeilage. Und da stehen einige Dinge drauf. Übelkeit und der Rückgang der Libido sind eine Sache. Die Veränderung der Krebsrisiken nach oben ist auf jeden Fall ein anderes Kaliber. Bei mir läuten hier die Alarmglocken. Ich bin ein Freund von einem langen und gesunden Leben.

Ich weiß, dass viele Frauen mit der Pillenpflicht alleine gelassen werden. Selbstverständnis. Verantwortung der Frau. Auch kann ich mir vorstellen, dass viele Frauen die Pille nehmen, weil es der Mann so will. Mensch, Männer, das ist doch nicht gentleman-like. Redet euch doch nicht immer damit raus, dass die Kondome nicht passen, reißen oder die Stimmung vermiesen. Beim Letzten hilft Üben. Geht auch zu zweit. Und bei den anderen Dingen gibt es Spezialisten (auch in vegan). Und liebe Frauen, ihr müsst nicht alles alleine machen. Und besonders nicht, weil es euer Partner so will.

Es gibt eine natürliche Verhütung.

Eines ist klar. Kondome sind gesundheitlich viel besser als die Pille. Und etwas anderes ist auch klar. Es ist toll, wenn sich ein Paar ohne Barriere sinnlich vereint. Man ist sich halt dabei ein wenig näher. Ich sage euch: Das geht auch natürlich. Und ist mit einem einfachen Prinzip möglich. Und das ohne Chemie oder spezielle Kräutertees. Nur wie?

Hast du das gewusst? Pro Zyklus hat die Frau fünf bis sechs fruchtbare Tage. Ich wiederhole: Fünf bis sechs fruchtbare Tage. Mehr nicht. Bei einem 28-Tage-Zyklus ist das ganz wenig. Davon kann jedes Paar ein Lied singen, dessen Kinderwunsch lange unerfüllt bleibt. Direkt nach dem Eisprung ist die Frau mindestens bis zur Regelblutung unfruchtbar. Das ist so. Direkt nach der Menses kann es noch ein paar weitere unfruchtbare Tage geben. Das ist auch so. Das ist ein biologischer Umstand, den man nicht verbogen kriegt.

Wenn man also die unfruchtbaren Tage finden will, muss man wissen, wann der Eisprung war. Die Ovulation ist eine sehr subtile Angelegenheit, die nur schwerlich direkt festzustellen ist. Wie kann man nun den Eisprung erkennen?

Bei der NFP sucht und findet man die unfruchtbaren Tage.

Es gibt da die symptothermale Methode zur Empfängnisverhütung. Natürliche Familien-Planung, daher die Abkürzung. Frau misst die Temperatur und untersucht ihren Yoninektar aka Zervixschleim. Jeden Tag zur selben Zeit. Das ist für Yogis kein Problem. Wer morgens um fünf aufsteht und noch vor den Sonnengrüßen den ayurvedischen Zungenschaber benutzt, nimmt sich gerne die eine Minute zum Messen.

In meiner Beziehung klingelt jeden Morgen um sechs der Wecker. Dann piept es zehnmal und meine Partnerin trägt die Tagestemperatur in ihre kleine Smartphone-App ein. Von mir gibt es oft eine Umarmung und ein paar warme Worte des Dankes. “Danke, dass du das für uns machst”, ist für mich das Mindeste. Schließlich haben wir uns beide dazu entschieden. Und ich gebe zu, dass ich NFP erst durch sie kennengelernt habe. Tolle Frau. Irgendwann gibt die App grünes Licht und wir lassen die Kondome weg. Simple as that!

Der Schlaumeier packt gerne Zahlen aus.

Kurz vorm Ende noch ein wenig Statistik. Mathematik ist auch der Verhütung nicht fremd. Der Amerikaner Raymond Pearl hat irgendwann einmal ein Maß für die Wirksamkeit von Verhütungsmethoden definiert. Den Pearl-Index. Die Zahl hat mit Wahrscheinlichkeiten zu tun. Und sie bezieht sich auf einzelne Verhütungsmethoden. Ein Pearl-Index von 15 sagt, dass von 100 Frauen 15 innerhalb von 12 Monaten schwanger werden. Das ist einleuchtend.

Die oben genannte Methode mit der Tageszeitung hat – wenn richtig angewendet und die Zeitung nicht verrutscht – einen Perl-Index von 0 und gilt somit als bombensicher. Keine Verhütung beim Sex liegt zwischen 30 und 85. Die Anti-Baby-Pille hat einen Index zwischen 0,1 und 0,9. Kondome liegen zwischen 2 und 12. Und die natürliche, symptothermale Methode liegt zwischen 0,4 und 2,3. Damit kann man arbeiten.

Meine Perspektive ist ganz einfach.

In meiner Welt ist Verhütung eine Angelegenheit die zur Achtsamkeit anregt. Achtsamkeit in Bezug auf die Beziehung selbst ist eine besondere Sache. Verhütung ist ein Thema für beide. Und NFP als Verhütungsoption lenkt das Bewusstsein auf die Biologie und den Zyklus der Frau. Sich mit den 28 Tagen der Frau auseinander zu setzen ist ein Geschenk für Mann und Frau.

Noch eine Anmerkung am Ende. Wenn ihr mehr über NFP lernen wollt, ist We Are The Ladies ein guter Einstieg für alle. Frauen, Männer, Yoginis und Yogis.